Freundschaft
Das Thema lässt mich gerade nicht los. Ich scheine meinem
"Wo-bin-ich-Wo-steh-ich-Was-will-ich" Punkt wieder ganz nahe.
Freundschaft und wie sie sich entwickelt.
Freundschaft
sollte, wie man dem Wort frei nach interpretieren kann, freu(n)de
schaf(f)en. Natürlich nicht permanent. Denn hin wieder schaffen mich
Freunde und Freundschaften. Das war schon ohne Kinder so und nach fast 4
Jahren Elterndasein scheint es Zeit für ein Resümee.
Wo
bin ich also inmitten meines Freundeskreises? Vor 4 Jahren habe ich
eine sehr lange und einstmal intensive Freundschaft im Wandel erlebt.
Neue berufliche und lebensplanmäßige Orientierung einerseits und der
völlig unbekannt neue Abschnitt meinerseits schienen Wege zu splitten.
Nicht negativ, aber eben auch nicht förderlich. Wir haben uns
freundschaftlich so durchgeschleppt, versucht uns mit als zwanglos
deklarierten Treffen gegenseitig auf dem Laufenden zu halten und sind am
Ende am aufzwängendem Gefühl, etwas aufrecht zu erhalten, was gerade
nicht passt, gescheitert. An dem "gerade" klammere ich mich nach wie
vor, in der Hoffnung, dass sich unsere Wege irgendwann wieder kreuzen.
Jedoch sollte ich das tatsächlich dem Schicksal überlassen und nicht
unnötig Energie dafür aufbringen. Denn ob sich unsere Welten je wieder
in der gleichen Umlaufbahn kreuzen scheint derzeit unwahrscheinlich.
Sehr unwahrscheinlich.
Das lässt mich ein klein wenig trauern. Der tollen Gespräche und der wunderbaren Offenheit wegen. Aber genau dieser Offenheit wegen kam die Erkenntnis das es aktuell nichts ist, was wir aufrecht erhalten wollen. So schade das auch ist.
Dann hatte eine andere
Freundschaft gerade ihren gefühlsintensivsten Moment. Die
Gesprächsthemen schienen nie auszugehen. Die Zusammengehörigkeit war
stark. Und dann kam der Alltag. Der eine der so grundverschieden von
meinem war. Sodass pö a pö die Gesprächsthemen schmaler wurden.
Zumindest die einen. Dennoch arbeiten wir bis heute hart an einer
gemeinsamen Grundlage die diese Freundschaft aufrecht erhält. Das
scheint so ohne Lebenskrisen schwerer als gedacht. Ist einer in "Not"
ist es ein Leichtes da zu sein. Den Ruf überhört man als Freund kaum.
Aber wie geht das in vergleichsweise ruhigen Momenten. Wenn man nur die
unruhigen Seiten kennt?
Eigentlich weiß ich wie das
geht. Denn ich habe da diese eine immerwährende Freundschaft. Diese bei
der ich sagen kann: "Ich kenne dich schon länger als mein halbes Leben."
Diese Freundschaft funktioniert weil sie nie in Frage gestellt wurde.
Ob man sich zwei Jahre nicht sieht oder nur alle paar Monate voneinander
hört, ist dabei völlig egal. Sieht man sich, ist es wunderbar vertraut.
Man muss sich nicht erklären, man muss sich nicht weiter kennen lernen.
Man ist einfach. Und zwar vollkommen nackt, ohne sich dabei nackt zu
fühlen. Das liegt nicht daran, dass man so viel gemeinsam hätte. Uns
verbinden weder gleiche Kindheitserlebnisse noch die Tatsache das wir
beide Eltern wären. Uns verbindet nur das UNS. Dieses Gefühl. So sollte
sich "Zu Hause" anfühlen. Besser gesagt: so fühlt sich "Zu Hause" für
mich an. Wenn die Welt aus den Fugen gerät weiß ich, dass ich dort
einfach immer klopfen kann. Ohne Erklärungen oder Rechtfertigungen. Ohne
Erwartungen. Da wird nichts durchgekaut was ich nicht möchte. Da wird
nicht nach dem "Warum" gefragt, da wird man ganz selbstverständlich in
den Arm genommen als würden einen nicht hunderte Kilometer trennen. Oder
Monate. Das ist heilsam. Das zu wissen das da immer jemand ist, der
einen um seiner selbst willen mag. Um nicht zu sagen liebt.
Und
dann sind da noch neue Freundschaften, die Seelenbalsam sind. Die man
auf neuen Wegen kennengelernt hat und mit denen man nun schon ein
schönes gemeinsames Stück zusammen durchs Leben spaziert. Die einem den
Alltag nicht krumm nehmen und Teil des Alltags sind. Mit denen
man auch zahnende Launen und Wachstumsschmerzen durchsteht, weil sie
genau wissen was man in seiner Jammerlaune meint. Diese Freundschaften
sind die größte Errungenschaft in den letzten 4 Jahren. Soviel steht
fest.
Meine Bilanz ist somit ziemlich ausgeglichen. So
manche Freundschaft, die ich ziehen lassen musste (und wollte) wurde von
anderen, neuen Freundschaften ausbalanciert. Bestehende Freundschaften
bedeuten manchmal Arbeit aber auch hier sei unterm Strich gesagt: es hat
sich gelohnt.
Ich bin froh viele Herzen noch nah zu
spüren, auch wenn mich die Kinder verändert haben. Ich bin froh nicht
nur Mütter und Väter zu kennen sondern auch Singles und Kinderlose.
Deren Sichtweisen lassen mich oft erkennen was mir hin und wieder unklar
scheint. Und sie bringen mich immer wieder an den Punkt der mir zeigt,
dass es viele Universen gibt, in denen ich willkommen bin.
Danke dafür.
Minensie
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